Zusammen wachsen lassen

Es wächst und gedeiht an der Nidda: Am Hausener Ufer ist in den letzten Monaten der Garten der Kerschensteinerschule zu neuem Leben erwacht. Neben Blumenbeeten und Radieschen rankt sich eine Zucchinipflanze am Zaun entlang. „Ich habe mir schon immer gewünscht, mit den Kindern zu gärtnern“ sagt Antje Reinwald, Lehrerin der Kerschensteinerschule. „Als ich dann ein Podcast über die GemüseheldInnen in Frankfurt gehört habe, dachte ich: Das ist es! Permakultur und naturnahes Gärtnern mitten in der Stadt.“ Bei der Suche nach mehr Informationen stieß die Lehrerin auf Anna Zollner, Aktive im Organisations-Team des Frankfurter Vereins. Die sprudelte nur so vor Ideen, was man gemeinsam mit den Kindern im Hausener Schulgarten machen könnte. Einzig fehlende Voraussetzung: die Finanzierung.

Der heiße Tipp hierzu kam aus dem Förderkreis der Kerschensteinerschule. Vorstandsfrau Stephanie Runge verwies auf die Chancenpatenschaften, ein Programm der Stiftung Bildung, die tatsächlich eine Förderung in Aussicht stellte. „Auf einmal passte alles zusammen“, erinnert sich Antje Reinwald. „Wir hatten das Know-how, das nötige Geld – und zwei tolle Klassen, die unterschiedlicher nicht sein konnten.“ Denn neben einer Grundschulklasse mit typischen Stadtkindern stieg die Intensivklasse in das Projekt mit ein. „Die Kinder dieser Klasse sind in der Regel erst vor Kurzem zugewandert. Sie lernen zunächst intensiv Deutsch, um im Anschluss dem regulären Unterricht folgen zu können.“ Die Gartenerfahrung war in beiden Gruppen gemischt.

Seit März kommt nun Anna Zollner einmal pro Woche in die Schule und begrünt zusammen mit den jungen Gärtnerinnen und Gärtnern das kleine Gelände unmittelbar an der Nidda. Bevor es richtig losgehen konnte, mussten natürlich ein paar wichtige Fragen geklärt werden: Wie sonnig ist das Grundstück tatsächlich, wo sollen die Beete und die Sträucher hin? Welches Gemüse und welche Kräuter sind geeignet? Wie bekommen die Pflanzen Wasser? Was passiert in den Ferien, wie können hier Eltern und Anwohner mit einbezogen werden? Welche Materialien werden benötigt? Auf Grundlage der Antworten vor Orte erstellte die Gemüseheldin ein individuelles Konzept für das Projekt. Vorgesehen sind Säen, Pflanzen und Bauen und Ernten bis in den Oktober hinein. Aber auch Ausflüge zu den Gärten der GemüseheldInnen und ein Erntefest.

„Meine Kolleginnen und Kollegen staunen, wie schön der Garten bereits jetzt aussieht“, freut sich Antje Reinwald. Die Hochbeete sind bepflanzt, Hügelbeete wurden angelegt, Beerensträucher gesetzt und Insektenhotels gebaut. „Ohne Anna Zollner hätten wir das alles nie hinbekommen. Da fehlt uns einfach die Erfahrung.“ Als Nächstes soll in den kommenden Wochen ein Teich angelegt werden.

Frau Guzek, Lehrerin der Intensivklasse schwärmt aus einem anderen Grund: „Die Kinder lernen durch das Projekt viel schneller Deutsch. Vor dem Projekt waren die Intensivkinder fast nur unter sich Und auf einmal entstehen ganz neue Freundschaften zwischen den Kindern.“ Auch Antje Reinwald ist begeistert über den Nebeneffekt des Gärtnerns: „Ich hatte gehofft, dass die Kinder mehr darüber lernen, wo die Lebensmittel herkommen, und dass sie die Natur schätzen lernen. Jetzt freue ich mich riesig darüber, wieviel Spaß sie an der gemeinsamen Sache haben – und dass meine Klasse mit der Intensivklasse so zusammengewachsen ist!“

 

Mithilfe der Stiftung Bildung, Trägerin des vom BMFSFJ geförderten Programms “Menschen stärken Menschen – Chancenpatenschaften”, konnten wir an der Kerschensteinerschule darüber hinaus Trommelkurse, eine Tennis-AG und Material für die Online-Lesepatenschaften während des Homeschoolings finanzieren.